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Personal/Hintergrund  

Uwe Liebchen: "Wir müssen aktiv triagieren"

Der Notfallmediziner und frühere bayerische Jugendmeister spricht über seinen Job und appelliert, sich impfen zu lassen

Uwe Liebchen spielt für Oberligist TSV Starnberg (Foto: Verein)

Der gebürtige Aschaffenburger Uwe Liebchen war zu Jugendzeiten Kaderspieler im BTTV, wurde 2006 Bayerischer Jugendmeister, spielte einige Jahre in der Regionalliga für Regenstauf und Bayern München und geht seit zwei Jahren für den TSV Starnberg in der Oberliga Bayern auf Punktejagd. Liebchen arbeitet als Anästhesist und Notfallmediziner im Klinikum Großhadern. Im Interview spricht der 31-jährige Vater eines kleines Sohnes über die aktuelle Situation im Arbeitsalltag.

Wie sieht dein Arbeitsalltag momentan aus?
Uwe Liebchen:
Im Moment werde ich entweder im OP-Saal oder als Notarzt eingesetzt. Ich war auch lange auf der Corona-Intensivstation. Letztendlich betrifft Corona alle Bereiche des Klinik-Alltages. Bei jedem neuen Patienten, den man nicht kennt, muss man mit einer Infektion rechnen. Das macht es im Alltag sehr herausfordernd.

Inwiefern?
Liebchen:
In meinem Bereich als Notarzt fängt es mit dem Tragen der Schutzkleidung an. Die FFP2-Maske ist da das geringste Problem. Man muss sich gut schützen, weil man im Krankenwagen potenziell exponiert ist und man bei Verlegungen drei bis vier Stunden mit dem Patienten zusammen ist.

Wie hat sich durch Corona dein Alltag als Notfallmediziner verändert?

Liebchen:
Es ist in der Regel so, dass wir 24-Stunden-Schichten haben und davon etwa gut die Hälfte im Krankenwagen verbringen. Aktuell fahren wir teilweise 20 bis 23 Stunden im Krankenwagen, weil wir unter anderem viele Covid-Patienten von einer zur anderen Intensivstation bringen müssen, entweder aus Kapazitätsgründen oder weil der Patient eine andere Versorgung benötigt. Hinzu kommen alle anderen Notfälle. Das bedeutet, dass es im Moment praktisch keine Pausen innerhalb der Schichten gibt. Man arbeitet durchgehend von Abend zu Abend und am nächsten Morgen geht es in der Klinik weiter.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen bei den Intensiv-Transporten der Covid-Patienten?

Liebchen:
Es sind einfach keine unkomplizierten Transporte. Die Personen sind oft so schwerstkrank, das macht es medizinisch sehr anspruchsvoll. Man muss die gesamte Zeit um die Personen kämpfen, Beatmung anpassen, die Narkose steuern, Schmerzen lindern und den Kreislauf im Griff behalten, weil der Blutdruck bei den Patienten oft abfällt. Dazu ist es im Krankenwagen sehr warm, man hat die Schutzkleidung an, es ruckelt stark.

Hast du eigentlich Angst, dich zu infizieren?
Liebchen:
Anfangs habe ich - als damals noch Ungeimpfter - auf der Corona-Intensivstation gearbeitet. Ich habe mich glücklicherweise nicht infiziert. Mittlerweile bin ich dreimal geimpft und habe als gesunder, junger Mensch eher weniger Angst um mich, selbst wenn ich mich infizieren sollte. Dafür sorge ich mich mehr um meinen kleinen Sohn. Kinder erkranken zwar seltener schwer, aber Covid-assoziierte Erkrankungen können dennoch auftreten. Daher habe ich auch kein Verständnis, wenn Personen ohne Maske in der U-Bahn fahren und zum Beispiel meinen Sohn ansprechen.

Inwiefern nimmt die Pandemie Einfluss auf den Klinik-Alltag?

Liebchen:
Die Anzahl der Covid-Patienen nimmt zu, gerade in den Regionen, wo die Inzidenzen hoch sind. Wenn man bedenkt, dass es da immer eine zeitliche Verzögerung gibt, steht uns der Peak im Krankenhaus noch bevor. Neben den Covid-Patienten stehen viele weitere Notfall-OPs oder geplante Operationen an. Bedeutet: Im Moment müssen wir aktiv triagieren, das heißt, wir müssen Patienten z.B. früher von einer Intensiv- auf eine Normalstation verlegen als üblich. Alle im Klinikum versuchen immer die beste Therapie für den Patienten rauszuholen und handeln nach bestem Wissen und Gewissen, aber die Möglichkeiten sind einfach nicht unbegrenzt. Es gibt schon jetzt kaum ein freies Bett mehr und die Notfallversorgung ist akut gefährdet.

Wie ist vor diesem Hintergrund deine Haltung zum Thema Impfen?
Liebchen:
Ich bin ganz klar für das Impfen. Da gibt es für mich keine Frage und keine Kompromisse. Jeder, der gesund ist und es kann, sollte sich impfen lassen. Die Wut und der Ärger, der sich über die Nicht-Geimpften ergießt, ist manchmal aber auch nicht gerecht. Manche haben zum Beispiel weniger Zugang zu Nachrichten, können sich nicht informieren. Diese Menschen muss man abholen. In Spanien haben sie allen Personen, soviel ich weiß, einen Termin geschickt. Ich bin auch für eine Impfpflicht, weil ich denke, dass wir nur so die Rückkehr in ein normales Leben schaffen können und uns nicht von Welle zu Welle hangeln.

Wie ist deine Meinung zum bisherigen politischen Handeln?  
Liebchen:
Ich denke schon, dass vor der 4. Welle zu spät reagiert wurde. Im internationalen Vergleich hat die Politik davor aber nicht schlecht gehandelt. Wir leben – zum Glück – nicht in einem totalitären Staat. Man muss bedenken: Die Politiker haben einen sehr verantwortungsvollen Job, sie müssen den Spagat lösen zwischen scharfen Einschränkungen, um die Welle zu brechen, und den Freiheitsrechten eines jeden Einzelnen. Was ich aber wirklich schlimm finde, ist, dass sich manche Politiker durch die Pandemie bereichert haben, zum Beispiel durch Maskendeals.

Schon vor der vierten Welle haben Pflegekräfte gekündigt oder Stunden reduziert, weil die Belastung so hoch war. Wie ist das Klima momentan im Kollegenkreis?
Liebchen:
Man hat schon gemerkt, dass viele durch die 4. Welle noch mal einen Schub gekriegt haben, unbedingt helfen wollten. Es gibt gerade viele Kolleginnen und Kollegen, die auf ihrer „alten“ Tage noch mal auf die Intensivstation gehen. Aber die Pflegekräfte, egal ob jung oder alt, sind nicht unendlich belastbar. Das ist wie ein übertrainierter Körper, den man auf die Laufbahn schickt. Der hält das auf Dauer auch nicht durch.

Was muss passieren, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen?
Liebchen:
Für die Pflegekräfte hat es kürzlich glücklicherweise einen besseren Tarifvertrag gegeben, das ist positiv, aber sicher nicht ausreichend. Es ist so ein anspruchsvoller und wichtiger Beruf. Ich kann verstehen, wenn junge Leute, die richtig gut sind, aus dem Beruf rausgehen, weil es einfach nicht attraktiv genug ist.

Eine Impfpflicht käme zu spät, um die Welle zu brechen. Was muss jetzt akut geschehen?

Liebchen:
Die Kontakte müssen eingeschränkt werden. Da, wo die Kontakte sind, im beruflichen oder privaten, müssen sie einfach reduziert werden. Es kann auch nicht sein, dass 60.000 Menschen im Fußball-Stadion ohne Maske feiern. Das Ziel sollte aber sein, den Gruppen, die in der Pandemie keine Chancen hatten, also Schul- und Kleinkinder, einen Alltag in Schule und Kita zu ermöglichen. Darauf muss der Fokus gelegt werden. Man sollte Stadien- und Schul-Schließungen nicht auf einen Nenner setzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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